Feldnotiz 001 — «Zuhause»
Amsterdam, 02. Februar 2025, Nieselregen
Hypothese: Ein «Zuhause» beginnt nicht in der Wohnung. Es beginnt davor.
Wann hast du dich zum letzten Mal über das «Zuhause-Ankommen» gefreut?
Diese Frage beschäftigt uns seit über einem Jahr. Entstanden ist sie während eines Spaziergangs durch Amsterdam:
Hauseingänge sind für uns Schauplätze, denen im Alltag oft keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und doch haben wir in letzter Zeit so viel Potenzial in ihnen entdeckt, dass wir nun einen grossen Teil unserer Zeit damit verbringen, Amsterdamer Hauseingänge zu untersuchen. Das mag auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich klingen, doch im Folgenden möchten wir erklären, was uns daran so interessiert:
Hauseingänge vermitteln zwischen Öffentlichkeit und Privatheit und können daher als Zwischenräume verstanden werden. Nicht ganz privat, aber auch nicht wirklich öffentlich. In Amsterdam finden wir ein reiches historisches, sozio-kulturelles und architektonisches Erbgut, das sich genau diesem Raum widmet:
Die Stufen vor dem Eingang als Grenze, wo sich Strasse und Zuhause treffen
Die Laterne, die nachts für Atmosphäre und Sicherheit sorgt
Das unkomplizierte «Raussitzen» der Amsterdamer:innen vor ihren Hauseingängen
Die Sitzbank, integriert in die Absturzsicherung des Eingangs
Die geschützte Nische vor der Türe (schützt vor Witterung und Einsicht)
Der Blumentopf für etwas mehr Farbe im Leben und Abstand zum regen Treiben der Strasse
Und so weiter …
All diese Elemente geben Hinweise darauf, welche Rolle Hauseingänge im Alltag spielen.
Wenn sich so viel Qualität, Interaktionsmöglichkeiten und der Charakter einer Stadt in diesen kleinen Zwischenräumen entfaltet – sollten sie dann nicht mehr Aufmerksamkeit erhalten?
Wenn eine Grundanforderung des Wohnens «Sicherheit» und «Schutz» ist, wäre dann nicht der Hauseingang der erste Ort, an dem diese Qualitäten erlebbar werden?
Eine weitere Frage, die uns nicht loslässt:
Brauchen zukunftsfähige Städte qualitätsvolle Hauseingänge?
Wir werden weiter nach Antworten auf diese Fragen suchen und sind gespannt, was uns Amsterdamer Hauseingänge darüber hinaus noch lehren werden.